Gemeinsam für das Evangelium
„Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht, durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr‘s festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, dass ihr umsonst gläubig geworden wärt.“
Das Evangelium, das Jesus Christus in die Welt gebracht hat, kann seine Kraft und Gültigkeit nicht verlieren. Wir aber können das Evangelium verlieren, so dass es uns nicht mehr die Kraft Gottes ist, die uns rettet. Das geschieht, wenn wir das Evangelium inhaltlich verdrehen oder verzerren und es so zu einem „anderen Evangelium“ machen, das es nicht wirklich geben kann. Es gehört zum Auftrag der Gemeinde Jesu, am Evangelium festzuhalten, indem wir es so glauben, wie es uns Gottes Wort lehrt, und unser Leben entsprechend gestalten.
Die folgende Erklärung ist eine Antwort auf die fortschreitende Aushöhlung des Evangeliums, die wir inzwischen selbst innerhalb der evangelikalen Bewegung wahrnehmen. Kennzeichen dieser Entwicklung sind
- die Infragestellung der Bibel als Offenbarung Gottes;
- die Behauptung, die Bibel könne nur mit historisch-kritischer Auslegung richtig verstanden werden sowie die Übernahme von sachkritischen Ergebnissen dieser Exegese;
- die Verkündigung des Evangeliums vor allem als Lebensgefühl des Angenommen- und Geborgenseins bei Gott, während zugleich biblische Inhalte wie Sünde und Vergebung oder der Sühneopfertod Jesu zweitrangig werden;
- die Verschiebung des Auftrages der Kirche hin zur Verantwortung für die Lösung gesellschaftlicher Probleme;
- die Anpassung christlicher Ethik an die gesellschaftliche Moral ohne Achtung von klaren biblischen Weisungen;
- die Aufforderung, die christliche Einheit dadurch zu bewahren, dass jede Meinung und Lehre akzeptiert wird, auch wenn sie im Widerspruch zu biblischer Offenbarung steht.
Es geht bei den meisten Streitpunkten nicht nur um Meinungsverschiedenheiten, die es unter Christen immer geben wird. Es geht um die Mitte unseres Glaubens, in der das Evangelium von Jesus Christus steht. Es geht darum, ob wir weiter das biblische Evangelium glauben wollen oder ein anderes, neues, angeblich zeitgemäßeres „Evangelium“ akzeptieren, das sich Menschen ausgedacht haben. Gottes Wort warnt uns mit deutlichen Worten vor einem solchen Weg. Darum wollen auch wir klar und deutlich formulieren, was wir glauben und für unverzichtbar halten, und ebenso was wir ablehnen und verwerfen, weil es der gesunden Lehre entgegensteht.
Wir bekräftigen:
- Das Evangelium ist Gottes offenbarte Wahrheit für die gesamte Kirche und für alle Zeiten.
- Die Bibel lehrt uns zuverlässig und ausreichend über das Evangelium und wir können uns ganz darauf verlassen.
- Die Verkündigung des Evangeliums bleibt der erstrangige Auftrag der Gemeinde, wie groß auch gesellschaftliche Probleme sein mögen.
- Gott hat mit biblischen Geboten und göttlichen Prinzipien Vorgaben für ein christliches Leben gemacht, wie es ihm gefällt und für uns am besten ist.
- Die christliche Einheit bewahren wir am besten, wenn wir gemeinsam an dem einen biblischen Evangelium festhalten und öffentlich dafür einstehen.
Wir verfolgen mit dieser Erklärung keineswegs das Ziel, christliche Gemeinden zu spalten oder neue Bewegungen und Organisationen zu gründen. Wir wollen zur Besinnung rufen und zur Umkehr von falschen Wegen. Wir bitten Christen, aber auch christliche Gemeinden und Organisationen, mit Hilfe der Erklärung und auf Grundlage der Bibel ihren Weg zu prüfen und, wenn nötig, zum biblischen Evangelium zurückzukehren.
Unsere Erklärung will erneut an das historische, wahre und biblisch gegründete Evangelium erinnern sowie Orientierung geben in einigen gegenwärtigen Herausforderungen. Das Evangelium ist aktuell und zeigt, dass es Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens geben kann. Die Erklärung soll Ermutigung sein, am biblischen Evangelium festzuhalten, auch wenn wir damit in einem Gegensatz zu anderen Heilsbotschaften stehen. Sie soll Ansporn sein, das Evangelium freudig weiter zu verkündigen, ohne Furcht, auf Widerstand oder taube Ohren zu stoßen. Eine Zukunft für die Gemeinde Jesu zu suchen, indem ihre Botschaft dem Denken und den Maßstäben der Gesellschaft angepasst werden, muss scheitern und in einer Sackgasse enden. Begründete Hoffnung hat die Gemeinde Jesu aufgrund der Kraft des Evangeliums, der Gewissheit der Auferstehung von Jesus Christus und den Verheißungen Gottes aus seinem Wort.
1 Was das Evangelium ist
Das Evangelium ist die gute Botschaft Gottes, dass er sich in und durch seinen Sohn Jesus Christus auf ewig mit uns Menschen versöhnen will. Er vergibt die Sünde, die als Misstrauen, Ungehorsam und Feindschaft zwischen Gott und uns stand, indem er seinen sündlosen Sohn stellvertretend für uns ein für alle Mal in den Tod am Kreuz auf Golgatha gehen lässt. Jesus stirbt dort einen vollkommenen Opfertod, durch den die Schuld bei Gott vollständig und für immer bezahlt ist. Gott heilt die Beziehung zwischen sich und dem Menschen, indem er mit der Botschaft vom Kreuzestod seines Sohnes Rettung verkündigt und Vertrauen darauf erwartet. Der Mensch soll das als einzigen Weg zu Gott glaubend annehmen, indem er darauf vertraut, dass Christus sein Retter und Mittler zu Gott hin ist. Der Glaube ist zugleich der Glaube an die Person Jesus Christus und der Glaube an die Botschaft von der Rettung, die er bewirkt hat. So schafft Gott auch die Liebe im Herzen des Menschen zu sich und Jesus Christus. Durch den Glauben wird der Mensch Kind in der Familie Gottes, Glied in der Gemeinde von Jesus Christus, und Bürger, der zu Gottes Volk und Reich gehört. Er lebt gemäß der Verantwortung, die eine solche Stellung mit sich bringt. Ohne diesen Glauben bleibt jeder Mensch in der Feindschaft Gott gegenüber. Er steht unter der Drohung seines Zornes als letztes Gericht über seine Sünde.
Wir bekräftigen, dass die Botschaft von der Vergebung der Sünden durch Jesu Leben im vollkommenen Gehorsam und durch sein Sterben und Auferstehen die Mitte des Evangeliums ist und darum auch bestimmendes Element in der Verkündigung bleiben muss, weil nur aus diesem Glauben das Leben des Christen erneuert wird.
Wir lehnen die Meinung ab, die Botschaft vom Tod Jesu am Kreuz spiele nur als Startpunkt für den Anbruch des Reiches Gottes eine Rolle, und die Frage nach Sünde und Vergebung sei für den Glaubenden besonders am Anfang des Glaubenslebens und sonst nur zeitweise von Bedeutung.
Wir bekräftigen, dass der Glaube an das Evangelium immer zugleich ein Überzeugtsein von den historischen Tatsachen des Lebens, Sterbens und Auferstehens von Jesus von Nazareth in ihrer biblischen Deutung und eine vertrauensvolle innere Bindung an Jesus Christus ist.
Wir lehnen die Meinung ab, dass der Glaube vor allem ein Gefühl des Hingezogenseins, des Angenommenseins, der Abhängigkeit und der Nähe zu Gott und/oder Jesus ist, während die Inhalte der biblischen Lehre nur eine untergeordnete Rolle spielen, wenn sie diesem Gefühl nicht dienen.
Wir bekräftigen, dass es einen rechten Glauben an das Evangelium nicht geben kann ohne die Erkenntnis, selber Sünder zu sein, der die Vergebung durch den Kreuzestod Jesu notwendig braucht. Die Erkenntnis des Sünderseins ist vor allem die Anerkenntnis des Urteils Gottes über das Wesen und die Taten des Menschen, wie die Bibel es bezeugt. Die Erkenntnis des eigenen Errettetseins ist die dankbare Anerkenntnis des vergebenden Urteils Gottes.
Wir lehnen die Meinung ab, bei der Sündenerkenntnis ginge es vor allem um ein Erkennen eigener Defizite, die Gott ausgleicht, oder um die Befreiung von Scham, ohne dass der Mensch zugleich auch seine Schuld erkennt und durch das Kreuz Vergebung findet. Wir lehnen die Meinung ab, die biblische Botschaft vom Sündersein des Menschen entmutige diesen übermäßig, während das Evangelium angeblich die Zuversicht auf sich selbst stärken soll.
2 Das Evangelium als offenbarte Wahrheit
Wir kennen das Evangelium von der Versöhnung des Menschen mit Gott durch Jesus Christus allein durch Offenbarung von Gott. Diese Wahrheit hat die Christenheit von Gott durch seinen Sohn Jesus Christus empfangen, sie wird in den Schriften des Alten Testaments als Verheißung Gottes erkannt, seit Pfingsten unter der Leitung des Heiligen Geistes verkündigt und in den Schriften des Neuen Testaments weitergegeben. Eine andere Quelle für das Evangelium gibt es für uns nicht, so dass es nicht aus den Bedürfnissen des Menschen, aus vernünftigen Überlegungen oder der Religiosität abgeleitet werden kann. Darum muss auch unser Glaube an das Evangelium, der zugleich der Glaube an die Person Jesus Christus ist, aus dem offenbarten Wort Gottes kommen und beständig daraus leben.
Wir bekräftigen, dass die Offenbarung des Evangeliums nur aus der Bibel mit ihren 66 Büchern erkannt und geglaubt werden kann. Gott hat für die Verfassung seiner Offenbarung menschliche Autoren durch seinen Geist geleitet, die unterschiedliche, sich ergänzende Aspekte des einen Evangeliums betonen, ohne sich zu widersprechen.
Wir lehnen die Meinung ab, es gäbe andere Möglichkeiten, das Evangelium zu kennen, oder weitergehende, die Bibel weiterführende und korrigierende Offenbarungen, etwa durch vernünftige Überlegungen über das Wesen eines liebevollen Gottes, durch Eingebungen oder als Ableitung aus persönlichen Lebensführungen. Wir lehnen die Meinung ab, solche Erkenntnisse ersetzten oder ergänzten als aktuelles Wirken des Heiligen Geistes die geistgewirkte Offenbarung in der Bibel.
Wir bekräftigen, dass das Evangelium als Gottes Botschaft Aspekte und Inhalte umfasst, die uns fremd erscheinen können oder der menschlichen Vernunft schwer verständlich sind. Das war von Anfang an so und gehört zum Charakter des Evangeliums, dem wir vertrauen sollen.
Wir lehnen die Meinung ab, die offenbarte Botschaft des Evangeliums könnte auf bestimmte Elemente christlicher Lehre ohne Schaden verzichten (z. B. Jungfrauengeburt, Sühnopfertod von Jesus Christus, wesenhaftes Sündersein des Menschen). Wir lehnen die Meinung ab, solche Elemente seien nur Ausdruck der damaligen orientalischen oder antiken Kultur, die in unserer Kultur anders oder gar nicht mehr geglaubt werden müssten.
Wir bekräftigen, dass das offenbarte Evangelium eine tiefgründige Botschaft voller Weisheit Gottes ist, die in ihrer Ganzheit das natürliche Erkenntnisvermögen des Menschen übersteigt. Deswegen ist uns das Hören auf die Botschaft, das Nachdenken und Forschen und das Leben im Glauben an das Evangelium eine dauernde Aufgabe. Sie ist herausfordernd, steht aber unter der Verheißung von Freude, Erfüllung und Hoffnung.
Wir lehnen die Meinung ab, die Botschaft des Evangeliums müsse für jeden in jeder Hinsicht vernünftig und plausibel sein oder unmittelbar an verbreitete Meinungen oder Alltagserfahrungen anknüpfen. Wir lehnen die Versuche ab, das Evangelium vordergründig plausibel zu machen, wenn dabei die offenbarte Wahrheit des Evangeliums verzerrt oder verkürzt wird.
3 Evangelium und Bibel
Die ganze Bibel in der uns gegebenen Einheit dient der Verkündigung des Evangeliums. Alle 66 Bücher des Alten und Neuen Testaments bezeugen auf je unterschiedliche Weise, wie sie von Gottes Geist gewirkt wurde, Jesus als den Christus Gottes und Retter der Menschen. Damit rufen sie durch den Heiligen Geist zum rettenden Glauben an Jesus. Weil das Evangelium keine Idee, sondern das Wirken Gottes in Jesus in der Geschichte ist, bezeugt die Bibel Teile der Weltgeschichte von der Schöpfung an bis zu Christus und dem Wirken des Geistes in den ersten Gemeinden. Weil das Evangelium lebendig ist im Glauben und Leben von Menschen, berichtet die Bibel von menschlichen Zeugen. Weil das Evangelium als Botschaft in den Zusagen Gottes besteht, die er erfüllt hat und bis zum Ende der Zeit erfüllen wird, bezeugt die Bibel die Verheißungen auf Jesus Christus hin und ihre Erfüllung in ihm und ermutigt zum Glauben an die Zusagen Gottes für die Zukunft. Der Reichtum des Evangeliums wird in der ganzen Bibel entfaltet. Darum sollen Christen der ganzen Bibel vertrauen, an keinem ihrer Teile Sachkritik üben, sondern glaubend erkennen wollen, wie jeder Teil dem Evangelium dient. In ihrer Mitte ist die Verkündigung des Evangeliums daher Auslegung der Bibel.
Wir bekräftigen, dass sich Gott mit seiner Offenbarung des Evangeliums an die Botschaft der ganzen Bibel gebunden hat, die unter der Leitung seines Geistes verfasst wurde. Auch wenn das Evangelium nicht in jedem Teil auf die gleiche Weise und in der gleichen Klarheit bezeugt ist, so dienen doch alle Teile dem Reichtum des Evangeliums und erschließen für das Verständnis notwendige innerbiblische Zusammenhänge.
Wir lehnen die Meinung ab, dass das Evangelium als Auszug aus der Bibel festgehalten werden könnte und man ohne Verlust Teile der Bibel als fehlerhaft, widersprüchlich oder überholt ansehen darf. Jede Form von Sachkritik an der biblischen Botschaft untergräbt letztlich den Glauben an das Evangelium.
Wir bekräftigen, dass wir die Bibel so verstehen müssen, wie sie selber verstanden werden will. Dazu bietet sie in ihrer Einheit ausreichend Klarheit, damit wir sie als Gottes Wort und Botschaft an uns erkennen. Die wenigen bestehenden Unklarheiten beeinträchtigen das Verständnis des Evangeliums nicht, sondern motivieren uns, die ganze Bibel andauernd persönlich, in der Gemeinde und auch mit wissenschaftlichen Mitteln zu studieren.
Wir lehnen die Meinung ab, die Bibel sei wegen des zeitlichen und kulturellen Abstands in ihren Aussagen und Absichten unverständlich, veraltet oder sie sei uneindeutig, weil widersprüchliche Lehren in ihr vertreten würden. Wir lehnen die Meinung ab, die Bibel könne ohne die Ergebnisse wissenschaftlicher Theologie oder ohne die Kenntnis antiker Schriften nicht richtig verstanden werden bzw. unser Verständnis antiker Kulturen müsse die Bibelauslegung normieren.
Wir bekräftigen, dass die Verkündigung des Evangeliums wesentlich die auslegende Verkündigung des biblischen Wortes Gottes sein muss, wobei alle Teile der Bibel von ihrem Ziel in Jesus Christus her ausgelegt werden müssen.
Wir lehnen die Meinung ab, das Evangelium könne als Botschaft unabhängig von biblischer Geschichte und biblischer Ausdrucksweise verkündigt werden. Genauso dürfen biblische Inhalte nicht beliebig unabhängig von ihrem Ziel im Evangelium ausgelegt werden.
4 Evangelium und Einheit im Glauben
Die Einheit aller, die an Jesus Christus glauben, ist ein nicht verfügbares Wunder, das Gott selbst wirkt. Er fügt einzelne Christen zu einer Familie zusammen, macht sie zu Gliedern an seinem Leib und zu Schafen einer Herde. Er hat den Glaubenden aufgetragen, diese Einheit hoch zu schätzen und für ihre Bewahrung zu kämpfen. Sie darf nicht durch Machtstreben, Parteiungen oder Selbstsucht in Gefahr gebracht werden. Um das Wunder christlicher Einheit zu bewahren, müssen sich die Christen nach der Erkenntnis des einen Glaubens an den einen Gott und Vater, den einen Herrn und Erlöser Jesus Christus und den einen Heiligen Geist ausstrecken und daran festhalten. Abseits der Wahrheit des Evangeliums kann es keine christliche Einheit geben. Zwar können begrenzte Arbeitsgemeinschaften gebildet werden, die etwa zur Umsetzung christlicher Maßstäbe auf politischem oder sozialem Gebiet ihre Berechtigung haben können (z. B. Förderung des Gemeinwohls, Begrenzung der Abtreibung, Unterstützung verfolgter Christen, Hilfeleistungen). Diese sind kein notwendiges Element zur Erreichung christlicher Einheit, können aber Frucht wahrer Einheit sein.
Wir bekräftigen, dass es einen gemeinsamen Glauben der Christen an das eine biblische Evangelium gibt, der durch die Unterschiedlichkeit der Glaubenden und unterschiedliche Erkenntnisse in untergeordneten Fragen des Glaubens nicht beeinträchtigt werden darf.
Wir lehnen die Meinung ab, dass jeder Glaubende in jeder Hinsicht einen individuellen Glauben habe, der vor allem von seiner Individualität und seiner Biografie geprägt sei, und dass deswegen die Frage nach dem gemeinsamen Glauben eher spalten als vereinen würde.
Wir bekräftigen, dass zur Einheit der Christen der gemeinsame Glaube und das gemeinsame Bekenntnis zum biblischen Evangelium notwendig ist. Daraus soll das gemeinsame Wirken zur Erfüllung des Auftrages Gottes für seine Gemeinde und die Welt erwachsen.
Wir lehnen die Überzeugung ab, wahre christliche Einheit könne durch menschliches Wollen und Handeln hergestellt und durch menschliche Kompromisse in Fragen des Glaubens bewahrt werden. Wir lehnen ebenfalls die Meinung ab, schon gemeinsames Handeln auf ein gewähltes Ziel hin bewirke christliche Einheit.
Wir bekräftigen, dass es zur Bewahrung der Einheit notwendig ist, durch gemeinsames Lesen und Studieren der Heiligen Schrift um gemeinsame Glaubenserkenntnis zu ringen. Unterschiede in Fragen des Glaubens und des christlichen Lebens, die die Bibel selbst nicht zum Wesen des Evangeliums zählt, müssen ertragen werden. Vor falscher Lehre muss gewarnt werden. Sie soll keinen Raum in der Gemeinde bekommen. Ihre Vertreter sollen mit biblischen Begründungen zur Umkehr ermahnt werden.
Wir lehnen die Meinung ab, dass jede Glaubenserkenntnis innerhalb der Christenheit zur Wahrung der Einheit toleriert werden darf oder soll, selbst wenn sie ausdrücklichen Lehren der Bibel widerspricht und damit den Willen des biblisch offenbarten Gottes missachtet.
5 Das Evangelium und menschliche Identität
Das Evangelium achtet und fördert die individuelle gottgegebene Identität des Menschen. Dazu ist eine gesunde Beziehung zu Gott notwendig, die Vertrauen auf Jesus erfordert, weil dabei der Wille und die Ehre Gottes an höchster Stelle stehen. Es ist Teil des biblisch offenbarten Evangeliums, dass sich der Mensch nicht selbst finden oder entwerfen und seine Identität nicht ohne die vielfältige Bezogenheit auf Gott bestimmen kann. Er ist Geschöpf Gottes, Beauftragter Gottes, verantwortlich vor Gott, erster Adressat von Gottes Erlösungshandeln. Er findet die Freiheit, die für seine persönliche Identität notwendig ist, nur in der Bindung an Gott. Im Gehorsam des Glaubens findet der menschliche Wille die größte Erfüllung. Sich selbst an Jesus Christus zu verlieren, ist der beste Weg, um das eigene Wesen zu erkennen und seine Identität zu leben. Im biblischen Evangelium ist der Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen so mit dem Erkennen Gottes in Jesus Christus verbunden, dass eine Auflösung dieses Zusammenhangs die Botschaft des Evangeliums verzerrt.
Wir bekräftigen, dass das Evangelium den Menschen seine Identität darin finden lässt, dass er sich als Geschöpf Gottes und als von Gott verurteilter Sünder erkennt, der durch Jesus Christus mit Gott versöhnt wurde und aufgrund des Glaubens Kind Gottes ist, dem die ganze Würde und Vollkommenheit von Jesus Christus angerechnet wird. Seine besondere Würde hat der Mensch nicht aus sich selbst, aus seinem individuellen Wesen, seiner Geschichte oder seinen Taten, sondern er lebt die von Gott verliehene Würde in seinem Wesen, seiner Geschichte und seinen Taten aus.
Wir lehnen die Meinung ab, dass der Mensch seine Identität vor allem durch Selbstbetrachtung erkennt und sie gestalten soll, indem er Elemente seiner Geschichte (z. B. Nationalität, Beruf), seines Wesens (z. B. Begabungen, Hautfarbe, Geschlecht) mit seinem Begehren (z. B. ein bestimmtes sexuelles Begehren als sexuelle Identität) oder bestimmte Taten betont.
Wir bekräftigen, dass Gott jedem Menschen mit seinem individuellen Leben, mit seinem Wesen und seiner Geschichte in die Herausforderung gestellt hat, ihn zu ehren, indem er das Evangelium glaubt und an dem Platz, an den Gott ihn gestellt hat, aus dem Glauben lebt.
Wir lehnen die Meinung ab, der Mensch müsse oder könne seine Identität dadurch finden und schaffen, dass er sich von allem befreit, was er als äußeren Zwang empfindet (z. B. Geschlecht, Geschlechterrollen, Grenzen für das eigene Begehren, sozialer Status), um dann in vermeintlicher Freiheit so zu leben, wie er es für sich als richtig empfindet.
Wir bekräftigen, dass der Mensch in einer von der Sünde und vom Tod gezeichneten Schöpfung mit Begrenzungen leben muss, die er im Glauben annehmen kann. Das Evangelium stärkt in ihm die Kraft, positiv damit umzugehen, dass er z. B. unter den Möglichkeiten seiner individuellen Begabung lebt, ein sexuelles Begehren nicht ausleben kann oder unter Ungerechtigkeit leiden muss. Es gehört zur Berufung eines Christen, dass er um des Evangeliums willen seine Wünsche dem Willen Gottes gemäß seiner Gebote und seiner Führung unterstellt.
Wir lehnen die Meinung ab, dass das vorrangige Ziel des Evangeliums sei, Menschen aus ihren Begrenzungen zu befreien und ihnen die Erfüllung ihrer Wünsche zu ermöglichen.
6 Evangelium und christliches Handeln
Das Evangelium ist die Botschaft von der Versöhnung des Menschen mit Gott durch Jesus Christus ohne die Werke des Menschen. Durch den Glauben nimmt der Mensch seine Rettung an, bewirkt sie aber nicht. Das folgende Leben des Glaubenden wird als Frucht und Ausdruck der Glaubensbeziehung zu Jesus Christus im Denken, Reden und Handeln zur Ehre Gottes gelebt. Die ethischen Maßstäbe dafür hat Gott in der ganzen Bibel offenbart. Sie sind Richtschnur, damit der Christ sein moralisches Handeln nach dem Willen Gottes ausrichten kann. In jeder Lebenssituation soll er gehorsam sein aus Liebe zu Gott und in Ehrfurcht vor ihm, wie sie aus dem Glauben an das Evangelium erwachsen. Seine Freiheit erlebt er dort, wo er nicht mehr als Knecht der Sünde gegen Gott handeln muss, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes von Herzen mit Gottes Willen übereinstimmend handeln kann. Die ethischen Maßstäbe der Bibel sind so offenbart, dass sie auf unterschiedliche Lebenssituationen in unterschiedlichen Kulturen in der Verantwortung vor Gott angewandt werden können und sollen.
Wir bekräftigen, dass Gott alle für ein christliches Leben notwendigen Maßstäbe offenbart hat und keine darüber hinausgehenden Forderungen für ein christliches Leben aufgestellt werden dürfen.
Wir lehnen die Meinung ab, dass die neutestamentlichen Weisungen und Prinzipien so in der antiken Kultur gebunden sind, dass sie für Menschen in modernen Kulturen nur beschränkt oder gar nicht gelten oder dass auf der Grundlage des Liebesgebotes neue Gebote aufgestellt werden dürfen, die über die biblische Offenbarung hinausgehen.
Wir bekräftigen, dass jede Anwendung biblischer Maßstäbe auf konkretes Handeln am höchsten Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten gemessen werden muss. Was Liebe zu Gott und zum Nächsten bedeutet, bestimmt dabei der Maßstab der biblischen Offenbarung, nach dem ein Handeln eines Menschen abgelehnt werden kann und er als Person trotzdem geliebt bleibt.
Wir lehnen die Meinung ab, dass das Doppelgebot der Liebe den ethischen Maßstäben der Bibel widersprechen könnte und dass wir mit Berufung auf die Liebe gegen die biblische Ethik handeln dürfen oder sogar müssen.
Wir bekräftigen, dass ein Leben nach der Ethik der Bibel ein Vorbild für die nichtchristliche Umwelt darstellt. Das gilt auch dann, wenn der nichtchristliche Nächste bestimmte christliche Maßstäbe für falsch und schädlich hält (z. B. Lebensschutz als Missachtung weiblicher Freiheit; christliche Erziehung als Indoktrination Unmündiger; Ablehnung gelebter Homosexualität als Diskriminierung).
Wir lehnen die Meinung ab, die christliche Liebe fordere Akzeptanz auch für ein Handeln, das biblischen Maßstäben eindeutig entgegenläuft. Wir lehnen ebenso die Meinung ab, andere Mittel als das christliche Zeugnis in Wort und Vorbild seien zur Durchsetzung biblischer Ethik in gesellschaftlicher Sitte oder staatlichen Gesetzen vorrangig.
7 Evangelium und Weltverantwortung
Wer an Jesus Christus und sein Evangelium glaubt, ist als Bote und Haushalter der Gaben Gottes beauftragt, Christen und Nichtchristen zu dienen. Die christliche Gemeinde – und als Glied der Gemeinde jeder Christ – ist Licht für die Welt und Salz der Erde. Das Licht- und Salzsein umfasst zugleich die Verkündigung des Evangeliums als Ruf zum Glauben an Jesus und den praktischen Lebenswandel aus dem Glauben an das Evangelium. Für den einzelnen Christen geschieht das in den drei Verantwortungsbereichen als Glied der christlichen Kirche, als Glied seiner Familie und als Glied eines Gemeinwesens. In allen Bereichen ist er Zeuge der guten Botschaft Gottes an seinen Nächsten. Indem er zugleich aus der Kraft des Evangeliums nach dem Willen Gottes lebt, bezeugt er es auch mit seinem Leben. Der biblische Auftrag sendet uns mit Taten der Liebe zuerst zu denen, die uns tatsächlich nahe sind, d.h. den Familienmitgliedern, den Gliedern der örtlichen christlichen Gemeinde und den Bürgern der Nachbarschaft und des Wohnortes. Weil die christliche Gemeinde am Auftrag der weltweiten Mission teilnimmt, hat sie die gleiche Verantwortung an jedem Ort, an dem sie das Evangelium verkündigt. Eine darüber hinausgehende nationale oder weltpolitische Verantwortung kann eine Berufung sein, insofern Gott Möglichkeiten eröffnet und Begabungen geschenkt hat.
Wir bekräftigen, dass der Hauptauftrag der christlichen Gemeinde die Verkündigung des Evangeliums ist, die ein wörtliches Bekennen zum Glauben an Jesus Christus ebenso beinhaltet wie die Bitte an Nichtglaubende, umzukehren, indem sie anfangen, dem Evangelium zu glauben, sich taufen zu lassen und nach biblischen Maßstäben zu leben.
Wir lehnen die Meinung ab, die Verkündigung des Evangeliums geschehe schon, indem Christen in der Welt Gutes tun oder sich für eine Verbesserung der Lebensumstände in der Welt einsetzen.
Wir bekräftigen, dass jedes christliche Engagement im Bewusstsein geschehen muss, dass Gott selbst die Verantwortung für die Welt trägt und allein den Weltlauf in allem bis zum Ende der Zeit übersehen und lenken kann.
Wir lehnen die Meinung ab, dass Gott nur durch das menschliche Handeln wirken könnte oder will. Wir lehnen die Meinung ab, dass menschliches Engagement allein die Erhaltung und das Wohl der Welt bewirken könnte.
Wir bekräftigen, dass Christen und die christliche Gemeinde sich im Rahmen ihres biblischen Auftrages an der Lösung von gesellschaftlichen Herausforderungen beteiligen sollen. Weil allein die christliche Gemeinde Botschafterin des Evangeliums sein kann, muss sie dabei darauf achten, dass dieser Hauptauftrag durch gesellschaftliches Engagement z. B. für Umweltschutz, in gesellschaftlichen Krisen oder für soziale Gerechtigkeit nicht beschädigt, uneindeutig oder eingeschränkt wird.
Wir lehnen die Meinung ab, jede Herausforderung, die die bürgerliche Gesellschaft erkennt, sei auch ein Auftrag für die christliche Gemeinde. Wir lehnen ebenso die Meinung ab, gesellschaftliches Engagement sei in jedem Fall unentbehrlicher Teil der christlichen Verantwortung und notwendig für die Annahme des Evangeliums durch Nichtglaubende.
Kein anderes Evangelium
Wir bekräftigen mit dem Apostel Paulus (Römer 1,16):
„Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“
Der Kampf gegen die Verfälschung des Evangeliums ist nicht neu. Was der Apostel Paulus in Galater 1,6–10 schreibt, hat auch uns bewegt, diese Erklärung zu verfassen:
„Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt; nur dass einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht. Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.“
Darum erinnern wir an das Evangelium, wie es uns in der Heiligen Schrift gegeben ist.